Gelenk

Der Meniskus im Fokus – Funktion, Verletzung und Weg zur Regeneration

Clock
February 11, 2026
Person
Hanna Resel

Das Kniegelenk ist eines der komplexesten Gelenke des menschlichen Körpers.
Es verbindet Stabilität mit Beweglichkeit, und es wirken enorme Kräfte auf das Gelenk.


Eine zentrale Rolle spielt dabei der Meniskus: zwei halbmondförmige Faserknorpelscheiben – ein innerer (medialer) und ein äußerer (lateraler) – zwischen Oberschenkel- und Schienbeinknochen.

Die Menisken wirken als Stoßdämpfer, Kraftverteiler und Stabilisatoren.
Sie vergrößern die Kontaktfläche zwischen den Gelenkpartnern, reduzieren die Druckbelastung, verbessern die Gelenkführung und schützen den Knorpel vor Degeneration.
Darüber hinaus spielen sie eine Rolle bei der Propriozeption – also der Wahrnehmung von Bewegung und Position des Gelenks (Mameri et al., 2022).

Anatomie und Heilpotenzial

Der Meniskus besteht aus festem, aber elastischem Faserknorpel, der nur teilweise durchblutet wird.
Je nach Versorgung unterscheidet man drei Zonen:

  • Red-Red-Zone: äußerer, gut durchbluteter Bereich – hohe Heilungschancen
  • Red-White-Zone: Übergangszone mit begrenzter Durchblutung
  • White-White-Zone: innerer, gefäßloser Bereich – kaum Regenerationsfähigkeit

Diese Zoneneinteilung ist entscheidend, wenn es um Prognose, Heilungsverlauf und Rehabilitationsstrategie geht.

Ursachen und Risikofaktoren

Meniskusverletzungen entstehen traumatisch oder degenerativ.
Akute Risse treten meist durch Drehbewegungen bei gebeugtem Knie auf – typisch beim Sport.
Degenerative Risse entstehen langsam, durch wiederholte Belastung, Gewebealterung und abnehmende Elastizität.

Risikofaktoren:
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes)
  • Beinfehlstellungen
  • Bewegungsmangel
  • muskuläre Dysbalance
  • berufliche Dauerbelastung (Knien, Hocken)
  • Alter / hormonelle Veränderungen

(Katz et al., 2021; Zeng et al., 2020; Chiu et al., 2021)

In der physiotherapeutischen Praxis ist es wesentlich, diese Risikofaktoren zu berücksichtigen – sie beeinflussen Heilungsverlauf, Belastbarkeit und Rückfallwahrscheinlichkeit.

Symptome und klinisches Bild

Meniskusverletzungen können sich akut oder schleichend entwickeln.
Typische Symptome sind:

  • lokale Schmerzen an der Innen- oder Außenseite des Knies
  • Schwellung oder Ergussbildung nach Belastung
  • Einklemm- oder Blockiergefühl
  • Knacken oder Schnappen beim Bewegen
  • eingeschränkte Beuge- oder Streckfähigkeit
  • Gefühl der Instabilität

Während akute Risse häufig mit einem plötzlichen Schmerzereignis einhergehen, entwickeln sich degenerative Veränderungen oft langsam – mit zunehmender Steifigkeit und Belastungsschmerz.

Rissformen

Meniskusrisse unterscheiden sich in Verlauf, Tiefe und Lage.
Zu den häufigsten Formen zählen:

  • Längsrisse
  • Radialrisse
  • Horizontale Risse
  • Lappen- und Komplexrisse
  • Wurzelrisse (Root Tears)

Der Verlauf und die Lokalisation eines Risses bestimmen, wie gut der Meniskus seine stoßdämpfende und stabilisierende Funktion aufrechterhalten kann.
Risse im gut durchbluteten Außenbereich haben tendenziell bessere Heilungschancen als Läsionen in der gefäßarmen inneren Zone (Guimarães et al., 2023).

Diagnostik und Behandlung

Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und einer funktionellen Untersuchung.
Es werden spezifische Tests eingesetzt, die durch Dreh- und Druckbelastung Hinweise auf eine Läsion liefern.
Zusätzlich kommt oft die Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz.
Sie gilt als Goldstandard der nichtinvasiven Diagnostik (Wang et al., 2021).

Die Wahl der Behandlung, also ob eine OP erforderlich ist oder ob konservativ behandelt wird, richtet sich nach Art, Lage und Ausmaß des Risses, dem Beschwerdebild und der individuellen Aktivität des Patienten.
Ziel ist in jedem Fall der Erhalt des Meniskus, da dieser eine zentrale Rolle für die langfristige Gelenkgesundheit spielt (Beaufils et al., 2017).

Bei degenerativen Meniskusrissen zeigen wissenschaftliche Studien, dass eine strukturierte Physiotherapie in Bezug auf Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung vergleichbare Ergebnisse erzielt wie eine Operation (van de Graaf et al., 2022; Noorduyn et al., 2022).

Welche Behandlungsform gewählt wird, entscheidet der Arzt individuell.
Wenn operiert wird, sollte das Ziel, wenn möglich, eine meniskuserhaltende Therapie sein – also das Nähen oder Wiederherstellen des Meniskus anstatt das Entfernen von Gewebe.

Die Physiotherapie spielt dabei in jedem Fall eine zentrale Rolle: Sie begleitet den Heilungsprozess, stellt Beweglichkeit und Stabilität wieder her und fördert die langfristige Funktion des Kniegelenks.

Physiotherapeutische Behandlung – Bewegung als Grundlage

Die Physiotherapie ist ein zentraler Bestandteil jeder Meniskusbehandlung – unabhängig davon, ob konservativ oder operativ vorgegangen wird.
Ziel ist es, Schmerzfreiheit, Beweglichkeit, Stabilität und Belastbarkeit wiederherzustellen und das Gelenk langfristig zu schützen.

Therapieinhalte:
  • Schmerzlinderung& Entzündungsreduktion
  • Mobilisation & Bewegungserhalt – passive und aktive Bewegung zur Förderung der Gelenkflüssigkeit und Nährstoffversorgung
  • Muskuläre Stabilisierung – gezieltes Training der gesamten unteren Extremität und des Core
  • Propriozeptives Training – Verbesserung von Gleichgewicht, Reaktionsfähigkeit und Gelenksteuerung
  • Funktionelles Training – Integration in alltags- oder sportartspezifische Bewegungsmuster

Aktuelle Studien zeigen, dass eine strukturierte Physiotherapie bei degenerativen Meniskusläsionen vergleichbare Ergebnisse erzielt wie operative Eingriffe – sowohl kurz- als auch langfristig (van de Graaf et al., 2022; Noorduyn et al., 2022).


Ein individuell angepasstes Trainingsprogramm kann nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch die Gelenkmechanik verbessern und Rezidive verhindern.

Prävention – der Meniskus braucht Bewegung

Regelmäßige Belastung ist die wichtigste Maßnahme, um die Gesundheit des Meniskus langfristig zu erhalten.
Bewegung fördert die Ernährung des Meniskus, erhält die Elastizität des Faserknorpels und stärkt die umgebende Muskulatur.
Eine stabile und gut koordinierte Muskulatur schützt das Kniegelenk, reduziert Druckspitzen und unterstützt die optimale Kraftübertragung.

Bewährte präventive Maßnahmen sind:
  • gezieltes Krafttraining der unteren Extremität
  • Ausgleich muskulärer Dysbalancen
  • Gewichtsmanagement
  • ausreichende Regeneration und Schlaf

Diese Strategien reduzieren nachweislich das Risiko für Knie- und Meniskusverletzungen (Chiu et al., 2021; Beaufils et al., 2017).

Fazit

Der Meniskus ist kein passiver Stoßdämpfer, sondern ein aktiver Bestandteil der Kniegelenksmechanik.


Meniskusverletzungen entstehen durch ein Zusammenspiel mechanischer, muskulärer und systemischer Faktoren.

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass bei degenerativen Meniskusrissen eine strukturierte physiotherapeutische Behandlung vergleichbare Ergebnisse erzielt wie eine Operation – sowohl hinsichtlich Schmerzreduktion als auch Funktionsverbesserung (van de Graaf et al., 2022; Noorduyn et al., 2022).

Wenn ein operativer Eingriff notwendig ist, sollte das Ziel immer eine meniskuserhaltende Therapie sein – also die Reparatur oder Teilnaht des Meniskus, um möglichst viel funktionelles Gewebe zu bewahren.
Der Erhalt des Meniskus ist entscheidend für die langfristige Gelenkgesundheit und verringert das Risiko einer vorzeitigen Arthroseentwicklung (Beaufils et al., 2017; Guimarães et al., 2023).

Eine frühzeitige physiotherapeutische Begleitung – sowohl bei konservativer als auch nach operativer Behandlung – fördert die Heilung, stellt Beweglichkeit und Stabilität wieder her und reduziert das Risiko erneuter Beschwerden.

Ein ganzheitlicher Ansatz, der Bewegung, Stabilität, Kraftaufbau und Lebensstilfaktoren einbezieht, bietet die besten Voraussetzungen für eine langfristig stabile und schmerzfreie Kniegelenksfunktion.

Literaturverzeichnis

Beaufils, P., Becker, R., Kopf, S., Matthieu, O., Pujol, N., & Verdonk, R. (2017). ESSKA consensus on meniscus management. Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy, 25(2), 335–346. https://doi.org/10.1007/s00167-016-4407-4

Chiu, Y. H., Wang, C. J., Chen, P. C., & Huang, C. C. (2021). Metabolic syndrome and knee degeneration. Osteoarthritis and Cartilage, 29(7), 1021–1028. https://doi.org/10.1016/j.joca.2021.03.009

Guimarães, J. B., Hwang, J., & LaPrade, R. F. (2023). Meniscus root tear biomechanics and repair. Arthroscopy: The Journal of Arthroscopic & Related Surgery, 39(5), 1290–1301. https://doi.org/10.1016/j.arthro.2023.02.002

Katz, J. N., Losina, E., & Collins, J. E. (2021). Obesity and knee degenerative changes. Arthritis Care & Research, 73(6), 784–791. https://doi.org/10.1002/acr.24521

Mameri, E. S., Pećina, M., & Trkulja, V. (2022). Meniscus anatomy and biomechanics. Journal of Experimental Orthopaedics, 9(1), 77. https://doi.org/10.1186/s40634-022-00511-1

Noorduyn, J. C. A., van de Graaf, V. A., et al. (2022). Exercise therapy versus arthroscopic partial meniscectomy after 5 years: A randomized clinical trial. British Journal of Sports Medicine, 56(9), 482–489. https://doi.org/10.1136/bjsports-2021-104618

van de Graaf, V. A., Noorduyn, J. C. A., et al. (2022). Physical therapy versus arthroscopic partial meniscectomy for degenerative meniscal tears: Five-year follow-up of a randomized clinical trial. JAMA Network Open, 5(7), e2220390. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2022.20390

Wang, W., Liu, Y., Chen, Y., & Zhang, Q. (2021). MRI accuracy for meniscal injuries: A systematic review. Journal of Orthopaedic Surgery and Research, 16(1), 385. https://doi.org/10.1186/s13018-021-02483-2

Zeng, Y., Zhou, Z., & Zhu, Y. (2020). Smoking impairs meniscal and cartilage healing in knee joint. Journal of Orthopaedic Research, 38(9), 2015–2022. https://do

Muskeln sind Kommunikationsorgane. Sie reagieren auf das, was wir ihnen zumuten – und auf das, was wir ihnen gönnen.Muskuläre Gesundheit entsteht dann, wenn Reiz und Regeneration im Gleichgewicht sind.Nicht das Training macht uns stärker – sondern die Fähigkeit, darauf zu reagieren.